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Cäthe: Wache Menschen #7

Seit zehn Jahren präsentieren wir bei TV Noir Musiker, die mit Leidenschaft auf der Bühne stehen. Jetzt haben wir uns mit dem Brausehersteller fritz-kola zusammengetan, um solchen „Wachen Menschen“ noch viel mehr Raum für ihre Gedanken, Aussagen und Gefühle zu geben – der TV Noir Podcast ist geboren. Jede Woche treffen wir Menschen, die mit all ihren Sinnen ihr Leben bestreiten, die sich selbst und alles um sie herum wahrnehmen. Manchmal in direkter Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, manchmal – wie im Fall von Cäthe – in ständigem Kontakt mit ihrem Selbst. Die Musikerin berichtet von ihren Zweifeln in Bezug auf Kunst und wieso sie nicht anders kann, als sie selbst zu sein – alles eine Frage der Balance.

Cäthe – Konflikt in Harmonie

Wenn Cäthe singt, vereint sie Konflikt und Harmonie miteinander. Innere Auseinandersetzungen mit extrovertierter Musik. Philosophische Botschaften mit klarer Sprache. So klingt ihre Stimme in lauten Momenten wie das Knarzen und Knacken zweier aufeinanderprallender Eisschollen und in den leisen wird sie zur Wärme einer Sonne. Kein Wunder also, dass ihre musikalische Sozialisierung unter anderem durch Janis Joplin, Aretha Franklin und Udo Lindenberg stattfand. Sie auf einer Seite die Musikfachschule besuchte, um ausgebildete Jazzsängerin zu werden – und geworden ist – auf der anderen Seite sie aber genug davon hatte, immer nur die Lieder von anderen zu singen. Ebenso wenig wunderlich ist der folgende Besuch des Popkurses der Fachhochschule für Musik und Theater Hamburg, wo junge Musiker*innen zusammenkommen, um eigenständig gemeinsam zu arbeiten, sich zu entfalten und ihrer eigenen Kunst nachzugehen. In der Absolventenliste finden sich viele weitere TV Noir Künstler*innen und BOY lernten sich sogar dort kennen. Dort traf Cäthe unter anderem zum ersten Mal Gisbert zu Knyphausen, mit dem sie daraufhin eine Band gründete, bevor sie sich auf Solowege begab. Zu Beginn des Gesprächs erzählt Tex davon, dass er damals auf ihre ersten selbst produzierten Lieder stieß und absolut begeistert war. Cäthe zweifelte jedoch im Gegensatz zu dieser Zeit noch stark an der Qualität ihrer eigenen Songs: „Das Ding war, dass ich dem eigentlich nicht vertraut habe. Also ich dachte, ehrlich gesagt, das ist nicht musikalisch genug, das ist nicht eingängig genug, ich blicke selbst nicht durch.“

Auf dem Weg zur Balance

Trotz ihrer unglaublichen Stimme, die ihr erlaubt Sätze in ihrer Kunst zu formulieren, die bei anderen unangenehm wären (Man denke nur an einen Peter im Unterhemd, der sagt „Glaub mir, Honey“), ist dieser Konflikt stets präsent. Die Musikerin trägt ihn stets mit sich herum und er gehört bis heute zu ihrem künstlerischen Prozess. Der Kampf zwischen „Das bin ich, das sind meine Gedanken, dafür stehe ich“ und „Wieso eigentlich?“. Der Wunsch, dazuzugehören, an der Zugehörigkeit jedoch zu zweifeln. Der stetige Akt die Balance dazwischen herzustellen. Eine Herausforderung, bei deren Lösung ihr Sohn viel beigetragen hat. Er habe vieles geordnet und ihren Blick aufs Essenzielle gestärkt. Im Gespräch gibt sie Antwort auf die Frage, wer die heutige Cäthe ist. Die Cäthe, die den Weg zu sich gefunden hat, die Balance und den Zugang zu allem Wichtigen – die Cäthe, der Wolfgang Müller geraten hat: „Versuche, jemand zu sein, der dir gefällt.“

Hört Euch hier die weiteren Folgen von „Wache Menschen“ an: tvnoir.de/podcast