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Liebe Welt, Get Well Soon

Auf ihrem aktuellen Album „The Horror“ nehmen uns Get Well Soon mit in die Welt der Albträume und Ängste von Sänger Konstantin Gropper. Eine schaurige Welt zwischen Traumsequenz und ekelerregender Realität, die sich allerdings auch mit großartigen Orchester-Arrangements von anderen Werken abhebt.

Get Well Soon besingen auf The Horror wahrgewordene Albträume

Bundestagsabgeordnete verharmlosen den zweiten Weltkrieg, der Mann, in dessen Nähe sich immer ein Koffer mit dem roten Knopf für den atomaren Erstschlag befindet, trifft sich mit Kim Kardashian und die Türkei entfernt sich rasenden Schrittes immer weiter von den Grundfesten der Demokratie. Da können es Mann oder Frau schon mal mit der Angst bekommen. Doch all das drohende Grauen, was unser Leben bislang nur indirekt beeinflusst, bei dem es noch nicht zu spät ist, es aufzuhalten, all dieses Grauen hat zumindest ab und an etwas Gutes: Die Kunst erblüht oft dort, wo die restliche Welt abzurutschen droht. Oft befreit sie sich genau dann vom Eskapismus und eröffnet wieder kritische Blickwinkel auf die Realität. Die Form ist hierbei variabel. Sei es Jan Plewka, der Liebe predigt, um den Hass zu bekämpfen, Hannes Wittmer, der sein nächstes Album verschenken wird, um dem Kapitalismus etwas entgegenzustellen oder eben Konstantin Groppers neues Album über wahrwerdende Albträume.

Der Soundtrack des Weltuntergangs

Auf dem Cover von „The Horror“ lauert ein schwarzer Schäferhund vor gleißendem Licht. Er gleicht dem schwarzen Wolf der Unendlichen Geschichte und es scheint, als warte er nur darauf, die Ängste der Menschen auszunutzen. Die Ängste, denen sich die gesamte neue Platte von Get Well Soon widmet– ob abstrahierten Albträumen Groppers oder Beobachtungen der Realität. Schon das erste Lied „Future Ruins Pt. 2“ kommt mit der jazzigen Leichtigkeit eines James Bond Themes daher, doch die warme Stimme von Duett Partnerin Ghalia Benali beschreibt eine kulturelle Parabel, wie Gropper laut.de erklärt: „Das Stück ist aus dem zwölften Jahrhundert und stammt aus einer Zeit, in der die kulturelle Hochburg in der arabischen Welt war. (…) Aber worum es eigentlich geht, ist, dass sich Geschichte so schnell umdrehen und ändern kann.“ Was folgt sind zwölf weitere Lieder, die sich instrumental deutlich von den alten Alben abgrenzen. Viel epochaler kommen sie daher. Wie ein schemenhafter Soundtrack des Weltuntergangs mit Texten, die die persönlichen Ängste von Konstantin Gropper widerspiegeln. Fast traurig ist es schon, dass es eine Zeit wie diese braucht, um das wohl fabelhafteste Album seiner Karriere hervorzubringen.

Die Get Well Soon Horror-Mini-Serie gibt es hier.

Teil Eins: