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Oehl wachsen auf “Arbeit” über sich hinaus

Pünktlich zum 1. Mai lieferte das Traumduo Oehl den Song “Arbeit”. Der Wiener Ari Oehl und der isländische Multiinstrumentalist Hjörtur Hjörleifsson knüpfen an ihr gefeiertes Debüt “Über Nacht” an. Sowohl textlich als auch im unverwechselbaren Soundnetzwerk setzen sie ihre Arbeit mit diesem Titel fort. Knoten um Knoten verdichten sie ihr Klanggewebe weiter und spinnen es zu feinster Seide. Dass sich hier ein regelrechter Suchtfaktor einstellt, sollte niemanden mehr verwundern – so eigen sind die Songs des Duos. Alleine die Stimmung der neuen Single konkret in Worte zu fassen, bedarf eigentümlicher Beschreibungen, wie sonst gehen Assoziationen von Tränen, Beton, Plastikpalmen und samtweichem Strandsand zusammen. 

Doch wer genau hinhört, kann in “Arbeit” genau diese Elemente in der Musik erkennen. Da gibt es Rhythmen, die mit Reggaeton kokettieren und verwaschene Autotune-Echos, sie aus dem gröbsten Industrie-Rap kommen könnten. Doch das Tempo ist schleppender, träger und irgendwie auch melancholisch. Gebrochen wird dieses Rezept aber mit unzählig vielen Ebenen, die sich dazwischen mischen und mit einer großen Portion Gefühl den Plastikfaktor verjagen. Mit dem Beat wird der Ball zwischen Dance-Vibe und innerlicher Zerrissenheit hin und her geworfen. Oehl macht etwas mit einem und man kann sich dem Spiel der Kontraste nicht entziehen. “Arbeit” ist ein Paradebeispiel ihrer Gratwanderung der Stile. Jeder Effekt ist bewusst einstudiert, hier wird nichts dem Zufall überlassen und trotzdem strotzt jeder Klang vor Gefühl und Impulsivität.

Die neue Single von Oehl: “Arbeit”

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Textlich befassen sie sich mit der Sucht nach Arbeit, der man sich in dieser Leistungsgesellschaft kaum entziehen kann. Zwischen der romantisierten Vorstellung, bis Nachts an Texten oder Musik zu werkeln, sich in Produktivität zu suhlen und eben der Entspannung, die einem als Workaholic oft so fern ist. Gleichzeitig Abhängigkeit, Freiheit und trotzdem scheinen jedem die To-do-Listen über die Köpfe zu wachsen. Das Video hingegen zeigt Entschleunigung und Zusammenhalt. Denn aus dem Großraumbüro beobachtet die Protagonistin den Tod einer Ente, die aus der klassischen V-Formation vom Himmel auf die Erde hinab stürzt. Ein metaphorisches Bild des Aussteigertraums. In ihrer Trauer um das tote Tier kommen immer mehr Menschen an die Seite der Ente, bis eine große Kuschelkugel vor dem Vogel steht.

“Arbeit” ist nur ein weiterer Streich des Duos und man kann sich ein verschmitztes Kopfschütteln über Oehl kaum verkneifen.

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