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Platz 7: Olli Schulz – und die Geschichte von falschen Schubladen

Was kann über Olli Schulz gesagt werden, was er nicht lang und breit bereits selbst erzählt hätte? Der 1973 geborene Oliver Marc Schulz ist ein Geschichtenerzähler, dessen Medium zweitrangig ist. Sei es die eigene Show während der Schulzeit, die ersten Gehversuche mit Der Hund Marie oder eines der verschiedenen Medienformate von Podcast bis Talkshow.

Lieder für Menschen – nicht für Kritiker

Immer wieder berichten die Medien von einer Schublade voller junger Talenten, die bereits im Kindesalter das erste Album auf einem Kassettenrecorder aus Plastik aufgenommen haben. Die noch vor der weiterführenden Schule mehrere Instrumente beherrschen und mit spätestens 18 vom Feuilleton als „die neue Hoffnung von“ irgendwas bezeichnet werden, und dann gibt es Olli Schulz. Wo andere akribisch der Geige nachgehen, gab Olli den Klassenclown. Wo andere in ein Jugendorchester geladen werden, arbeitet der Hamburger als Roadie. Erst mit 18 erlernte der Autodidakt das Gitarrespielen, brachte 2003 – 12 Jahre später – auf Nachdruck von Kettcars Marcus Wiebusch sein erstes Album “Brichst du mir das Herz, dann brech‘ ich dir die Beine“ mit Max Schröder aka. Der Hund Marie heraus. Zwar hat der heutige Berliner keinen Kickstart hingelegt, trotzdem zeichnete sich schon damals ein eigener Stil ab, der ab und an etwas amateurhaft daher kommt, dadurch aber auch umso charmanter wirkt. Die instrumentalen Arrangements sind nicht durchproduziert, nicht immer auf den Punkt und die Texte bewegen sich stets auf einem Drahtseilakt zwischen einem Hauch Hamburger Schule und deutlicher Brecheisenromantik. Im Vordergrund stehen dabei die Geschichten, die Gefühle und das, was beim Hören ankommt. Die deutlichen Texten, die oftmals schnörkellos ihr Ziel treffen. Olli Schulz selber führt diese durchaus positive Einfachheit auf seine Jugend zurück, das Aufwachsen bei den Urgroßeltern, die vielen Jobs, die er gemacht hat, die Leidenschaft für die Musik „als Musik noch richtig groß war.“ Doch was es auch immer sein mag, führt dazu, dass die Lieder so nahbar und ehrlich sind und für jeden nachzuempfinden. Unabhängig davon, ob sie lustig, traurig oder eine Mischung aus beidem sind – Schulz macht Musik für Menschen, nicht für den Feuilleton.

„Hier komm ich dein Boogieman, Trag mein Herz in der Hand“

Die Musik stand dabei für Olli immer an erster Stelle – unabhängig davon, ob er selbst musizierte, als Stagehand und Roadie mit dabei war oder bei seiner Radiosendung “Ein Schulz – ein Song”. Durch die diversen Seitensprünge ins Fernsehen wird dieser Umstand oft vergessen. Sei es der etwas merkwürdige Auftritt beim Bundesvision Song Contest mit “Mach den Bibo”, als Sidekick bei Circus Halligalli, in der eigenen Talkshow Schulz & Böhmermann oder als Gastauftritt beim Tatortreiniger, die Präsenz im Fernsehen und auf der Leinwand führte dazu, dass er in die Schublade des Spaßmachers und Blödelbarden geschoben wurde – was er ebenso oft im Podcast Sanft & Sorgfältig zur Sprache gebracht hat. Dabei gab es und gibt es noch immer ein Element, das alles verbindet. Denn vielleicht sind diese Schubladen falsch. Vielleicht ist Olli Schulz weder Musiker noch Entertainer, weder Comedian noch Moderator. Vielleicht sind all das nur Ausdrucksformen ein und derselben Sache. Vielleicht steckt im Titel des letzten Albums “Scheiß Leben, gut erzählt” mehr Wahrheit, als es im ersten Moment erscheinen mag. Vielleicht ist Olli Schulz vor allem eins: Ein Geschichtenerzähler.

„Jetzt wo Musik nicht mehr ganz so groß ist,
aber immer noch so schön,
seh' ich dich in meinen Strophen,
sing' ich für dich den Refrain
Irgendwann da wirst du groß sein
und suchst deine Melodie,
doch schläfst jetzt grad auf meinem Schoß ein
und dieser Song endet nie“

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