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Hannes Wittmer: Wache Menschen #6


Seit zehn Jahren präsentieren wir bei TV Noir Musiker, die mit Leidenschaft auf der Bühne stehen. Jetzt haben wir uns mit dem Brausehersteller fritz-kola zusammengetan, um solchen „Wachen Menschen“ noch viel mehr Raum für ihre Gedanken, Aussagen und Gefühle zu geben – der TV Noir Podcast ist geboren. Jede Woche treffen wir hier Menschen, die mit all ihren Sinnen durchs Leben schreiten, die sehen und verstehen – die etwas bewegen. Einer dieser Menschen ist Hannes Wittmer, bisher auch besser bekannt als Spaceman Spiff. Der Musiker macht nicht nur seit über zehn Jahren bewegende Musik, die in jedem seiner Fans etwas Veränderung hervorruft, nun möchte der Liedermacher mit seinen Werken noch einen Schritt weitergehen und sein nächstes Album verschenken.

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter

Ein kleiner Junge, der die großen philosophischen Themen dieses Lebens mit seinem lebendig gewordenen Kuscheltiertiger bespricht und ein deutscher Liedermacher, dessen Wurzeln in diesen Geschichten liegen. Spaceman Spiff ist das Alterego von Calvin, einem Sechsjährigen aus der Comicreihe “Calvin und Hobbes”, wenn er in seiner Fantasie in andere Galaxien aufbricht und auch Hannes Wittmer wählte diesen Namen, um in seiner Musik schwarze Löcher zu seiner Gedankenwelt zu öffnen. Mit Anfang 20 erweckte Hannes seinen eigenen Spaceman Spiff zum Leben, schuf mehrere Studioalben und spielte hunderte Konzerte. Seine Hörer und Hörerinnen waren dabei immer mit an Bord, wenn er hinter dem Horizont verschwand und sich aufmachte in Welten abseits des Tellerrandes. Instrumental eher reduziert, inspirierte der Singer-Songwriter seine Fans durch nachdenkliche Texte wie Bilderbücher, präzise Beobachtungen und fantasievolle Metaphern. Durch diese war Hannes Wittmer neben Marcus Wiebusch und Wolfgang Niedecken 2015 sogar für den deutschen Musikautorenpreis nominiert. Kurz darauf änderte seine Rakete den Kurs. Im Podcast erzählt Hannes, wie ihn die deutsche Sprache in seiner Musik einengte, dass er sich über Menschen freut, die seine Texte mögen, er aber auch Musiker ist. Aus Spaceman Spiff wurde Otago, ein breit angelegtes Bandprojekt. Durch die aufwändigen und mühevollen Arrangements rückt die Musik weiter in den Vordergrund und die Texte über das Verändern und Neuordnen begleitet sie. Seine Fantasie führte ihn so zu einem neuen Abenteuer, neuen Geschichten und neuen Lieder für schlaflose Nächte.

Aus Spaceman Spiff wird Hannes Wittmer

Doch wie das mit der Vorstellungskraft so ist, reicht sie oft über Grenzen hinaus und führt zum Erwachen. Die Erfahrungen, die Hannes Wittmer machte, die Eindrücke, die er sammelte, bündelten sich in einer Kernfrage: Wie kann ich als Musiker dem Turbokapitalismus ein Schnippchen schlagen? Wie schaffe ich es, einem Uhrwerk zu entkommen, was mich ebenso nährt, wie andere, die ich nicht unterstützen möchte? Durch diese Fragen wurde aus dem verträumten Projekt Spaceman Spiff, was der Liedermacher mit Anfang 20 startete, Hannes Wittmer. Im Gespräch erzählt er nun inspirierend über eben diesen Prozess und die Problematik, mit der er sich momentan auseinandersetzt. Hannes verrät, wieso er sein nächstes Album ausschließlich kostenlos veröffentlicht, der Eintritt seiner Konzerte auf freiwilliger Basis beruhen soll und wie er in seinem Mikrokosmos anfängt, ein wenig am Kapitalismus zu sägen. Zwar wird, wie er selbst sagt, dadurch das System nicht gestürzt, aber wer weiß, vielleicht ist es der erste Stein, der zu rollen beginnt. Der auslösende Gedanke, der einem Besucher kommt, wenn er an der Abendkasse von einem seiner Konzerte steht und sich fragt, wie viel Eintritt dieser Abend eigentlich wert sei. In jedem Fall ist es ein Anfang, um eine mögliche alternative Zukunft zu entdecken, die wir momentan für unmöglich halten. 

Hört Euch hier die weiteren Folgen von „Wache Menschen“ an: tvnoir.de/podcast