Isolation Berlin – Vergifte dich

Isolation Berlin klingen wie die Musik gewordene Stimmung in einer Kneipe um vier Uhr morgens. Die meisten Nachtschwärmer haben bereits gut trunken den Tresen verlassen. Nur noch der Zigarettenqualm einer letzten Kippe hängt unter der Lampe. Der Deckel ist voll, der Heimweg keine Option.

Sänger Tobias Bamborschke ist in Berlin aufgewachsen und laut eigener Aussage an der Stadt zerbrochen. Diese Kurzbiographie steht exemplarisch für die musikalische Prägung von Isolation Berlin. Nach dem hoffnungslosen Verlorengehen, nach nicht enden wollenden Nächten und der Sehnsucht. Die Lieder auf dem zweiten Album “Vergifte dich” klingen nach all dem – mehr denn je. Irgendwo zwischen Punk und Melancholie, zwischen Tresendepression und grundehrlicher Abneigung pendeln Texte und Melodie. Zeilen wie „Die Monate geben sich lustlos die Hände Es gibt kein Zurück und komme nicht voran. Auf Sonne folgt Regen und dann Schnee“, „Mitten in Berlin träume ich von Wien“, „Wenn du mich suchst, du findest mich am Pfandflaschenautomat, da hol ich mir zurück, was mir gehört“ und „Ich kämpfe mich wie besessen durch die Betten dieser Stadt und morgens fall ich nüchtern von den bleichen Leibern ab“  formen ein düsteres Portrait des Lebens in einer Großstadt und der betäubenden Wirkung von zu vielen Möglichkeiten. “Vergifte dich” kommt dabei sperriger daher, als sein Vorgänger, schafft es aber trotzdem die ZuhörerInnen in den gedanklichen Moloch mitzuziehen – schnörkellos und wie der peitschende Winterwind auf der Warschauer. Sei es bei Liedern mit deutlichen Punkeinflüssen wie “Die Leute” oder reduzierten Balladen wie “Vergeben heißt nicht vergessen”. Nach zehn stets lebensverneinenden Liedern läutet abschließend “Mir träumte” fast besinnlich den nächsten Morgen ein, während zu den letzten Worten noch eine letzte Zigarette zu glimmen beginnt.

„Ich wollte ich wäre /
weit weg von der Erde /
weit draußen im endlosen Al/
Ich wollte ich wäre /
tote Materie /
ein kalter Stern im endlosen Al /
Ach wäre das schön /
das wäre so schön.“