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Eels – Hymnen ans Scheitern

Mit “The Deconstruction” schenken die Eels der Welt eine weitere Farbe der Melancholie. Kaum eine andere Band versteht sich darin so gut wie die um Mark Oliver Everett. Mittlerweile zum zwölften Mal schaffen sie es, diese Worthülse mit neuem Leben zu füllen, ohne ihren unverkennbaren Sound aufzugeben. Alles neu und trotzdem gleich. Das ist und war schon immer eine der Stärken der Eels.

„Be hurt. The world can take it.“

Fran Healy, der Sänger von Travis, scherzte bei TV Noir über schlimme Ereignisse im Leben eines Musikers und deren Auswirkungen auf das eigene Schaffen: „When you got a record deal and tell your record company, that you spill out with something really bad that happened. They are like: “Oh yes! We gonna get some good songs here!” But they are also sort of: “Oh that’s terrible. Are you feeling alright?” Doch wenn das Erfolgsrezept für gute Musik Schmerz sein sollte, dann ist es nicht wunderlich, dass die Eels in gut 20 Jahren ein Dutzend großartige Alben herausgebracht haben. Denn die Biographie von Sänger E liest sich wie ein schlechtes Drama: Todesfälle in der Familie, zerbrochene Ehen und kürzlich verstarb auch noch der Hund (Gedenksocken sind in der Vinyl-Box). Trotzdem versinkt Mr. E nicht in Selbstmitleid, sondern schafft es auch auf ‚The Deconstruction‘ etwas Positives daraus zu ziehen. Das ganze Album hört sich wie ein facettenreicher Appell an das weniger wichtig Nehmen an, an das Akzeptieren und aufeinander Zugehen. Auf das Dekonstruieren und neu zusammen Kleistern. Auf das Trauern und Genießen – und verdammt, das brauchen wir dieser Tage. Dabei bedient sich die Band erneut Gefühlen, die so allgegenwärtig sind, dass sie niemals an Aktualität verlieren. Den Schmerz und die Freude, die die Eels transportieren, wird es immer geben. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass das Debüt ‚Beautiful Freak‘ auch heute noch genauso gut funktioniert wie 1996. Die Gefühle und die Musik sind zeitlos – so auch das neuste Werk.

„The deconstruction has begun. Time for me to fall apart.”

Dabei folgen die 15 Songs auf “The Deconstruction” keinem Konzeptkorsett, sondern fließen sehr intuitiv. Mehr als ein Gefühl und weniger eine laute Botschaft in Neonschrift. Mal kommt dieses Gefühl in Form von opulenten Arrangements mit Chor und Streichern daher, mal mit kantigen Gitarrenriffs. Mal nach vorne treibend und zum Mitsingen einladend, mal reduziert und mit Fokus auf das zerbrechliche Kratzen von Everetts Stimme. Dazu gesellen sich noch drei instrumentelle Stücke, die Bilder aus malerischen Indie-Filmen in den Kopf rufen und ganz für sich stehen. Mit “The Deconstruction” haben die Eels eine weitere Hymne ans Scheitern verfasst und diese fühlt sich so aktuell an wie je zuvor.