Martin Kohlstedt beschränkt sich wieder auf’s Wesentliche

Am 27.11. veröffentlichte Martin Kohlstedt unter dem Titel “Flur” Album Nummer fünf. Damit kehrt er zurück zu den Wurzeln. Nach zahlreichen Experimenten mit elektronischen Elementen und sogar dem Eingreifen anderer Musiker in seine Stücke ist “Flur” in erster Linie eins: ein Pianoalbum. Und ein ganz wunderbares noch dazu. Die Titel der Stücke sind wie gewohnt kryptisch und setzen sich aus drei Buchstaben zusammen. Dadurch wird erstmal nicht ganz so viel über den Inhalt verraten. Das macht aber nichts, denn die Musik spricht für sich selbst. Aufgenommen wurde das Album in der Dachgeschosswohnung von Martin Kohlstedt, inspiriert von dem Treiben vor den Fenstern. Eine Intimität, die die Hörer*innen vom ersten Ton an spüren. Der Klang auf dieser Platte ist so klar, dass kein Raum für Rätsel bleibt.

Stadt, Land, Meer

Gesteigert wird diese Intimität von Außeneindrücken wie dem Regen, der gegen die Wohnungsfenster schlägt und dem Donner, welcher diesen begleitet. Während diese Naturgewalten am Anfang des letzten Stücks “AJA” Zeit haben, ihre Wirkung zu entfalten, setzt nach und nach das vorsichtige Piano ein, um mit dem Regen zu spielen, statt diesen zu übertönen. Auch die Videos, die es vorab zu sehen gab, wurden live im Freien aufgenommen, um mit den Klängen der Umgebung zu arbeiten. So spielt er “LUN” zwischen herbstgefärbten Obstbäumen, “PAN” auf seinem Balkon mitten im lebendigen Erfurt oder “XEO” an der stürmischen Nordsee.

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So viel mehr als Easy Listening

Flur ist ein Album, welches den ganzen Tag nebenher laufen kann, ohne langweilig zu werden. Doch die volle Wirkung entfaltet sich, wenn man sich tatsächlich Zeit nimmt und bewusst zuhört, um die kleinen Nuancen zu finden. Die Töne, die eben nicht direkt Kohlstedts Tasten entspringen.

Natürlich ist auch dieses Album, wie die Werke davor, als blanke Leinwand zu betrachten, mit der Kohlstedt über die Jahre hinweg arbeiten wird, um Schicht für Schicht aufzutragen, um sie bunter und lebendiger zu Gestalten. Denn, wenn es ein Merkmal gibt, mit dem sich der Musiker in der Szene von seinen Kolleg*innen abhebt, dann seinem Drang, immer weiter zu experimentieren und seine Musik an die Grenzen zu bringen. Gerade live gleicht keine Version der davor. Kohlstedt experimentiert sich in Extase und bietet dem Publikum jedes Mal eine Show, die keiner anderen zuvor gleicht. Darum bleibt derzeit nur zu hoffen, das “Flur” möglichst bald wieder mit auf die Bühnen dieser Welt gebracht werden kann, um sein volles Potenzial zu entfalten.

Bis dahin bleibt der Stream – oder noch besser die Vinyl-Version des Albums, um auch wirklich keines der kleinen Details, die die Stücke so lebendig machen, zu verpassen. Gibt es hier.

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