Gott ist eine Frau, aber wer ist eigentlich diese Trixsi?

„Ich hab von Gott geträumt, sie war schwarz, sie war lesbisch, sie war ziemlich müde.“

Trixsi – Frau Gott

Eine Müdigkeit, verursacht durch allgegenwärtige Missstände in Gesellschaft, Politik und Umwelt, die sich auf den meisten Stücken des Trixsi Albums “Frau Gott” heraushören lässt. Und sagen wir’s, wie es ist: Ein Debüt in Pandemiezeiten zu veröffentlichen, so ganz ohne Tour und PiPaPo, ist Mist. Dennoch hat die recht neue Supergroup kürzlich ihr erstes Album herausgebracht. Und das ist gut. Durch Konzerte im Vorjahr und einer Menge Mundpropaganda wurde die Platte sehnlichst erwartet.

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Wer ist Trixsi denn nun?

Die unterschiedlichen Einflüsse von König Wilhelmsburg und Paul Konopacka (Herrenmagazin), Kristian Kühl (Findus), Klaus Hoffmann (Jupiter Jones) und Jörkk Mechenbier (Love A) vereinigen sich auf „Frau Gott“ zu einem harmonischen Gesamtbild, dass keiner der einzelnen Gruppen extrem ähnelt. Selbst die unverkennbare Stimme Mechenbiers zeigt sich auf diesem Album facettenreicher als es beispielsweise bei Love A der Fall ist. Während sich die Live-Shows der Band in der Vergangenheit sehr rotzig und roh anfühlten, entpuppt sich “Frau Gott” als gut produziertes, gefälliges Erstlingswerk und versucht weder Punk zu sein, noch sich in die plattgebügelte deutsche Indieschublade stecken zu lassen.

Die Stücke überzeugen vor allem durch Abwechslung. Während der Einstieg mit “Jana Lüttich” sehr tragend daher kommt und das darauf folgende “Trauma”“, das es vorab schon als Single zu hören gab, sicherlich den emotionalen Höhepunkt des Albums darstellt, ist es vor allem das Titelstück “Frau Gott”, das die Essenz von Trixsi auf den Punkt bringt: Kritisch, gerade heraus und wenig beschönigend, dennoch mit einem Augenzwinkern hier und da. Wie die naive Retrospektive zurück in die Kindheit mit “7 oder 9” oder “IroCityExpress”, einem ironischen Seitenhieb in Richtung genre-elitärer Kritiker*innen, wie er wohl bei so einigen deutschsprachigen Bands ins Repertoire gehört (vgl. Adam Angst “Punk”). Dass diese Stimmen auch unironisch befriedigt werden können, zeigt “Dagn Dagn” – ernst, schnell und wütend ist es eines der Lieder, das sich stilistisch am ehesten vom Gros der Platte abhebt, ohne diesen Exkurs in den tatsächlichen Punkrock ironisch zu meinen.  

Trotz der Vielfalt ist “Frau Gott” ein solides, homogenes Erstlingswerk geworden, bei dem auch nach mehrmaligem Hören nicht der Drang entsteht, einzelne Songs zu skippen und das ist es doch letztendlich, was eine gute Platte ausmacht.

Mehr Infos zur Band hier.

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